Robo Advisor für Anfänger erklärt – So geht’s!

Robo Advisor für Anfänger erklärt – So geht’s!

Robo Advisor – Automatisierte Geldanlage im Internet?!

Der Schweizer Finanzplatz ist eher bekannt für die klassische Vermögensverwaltung, als für Finance 2.0. Doch 2010 drängten erstmals neue Player auf den heimischen Markt: Die Robo Advisor. Sie treten allgemein mit dem Ziel an günstiger, digital und zeitsparender für ihre KundInnen zu arbeiten.

Nun ist es wie mit allen Dingen im Leben. Was neu ist wird nur zögerlich angenommen, erntet mitunter auch etwas Misstrauen. Erst 2019 strichen trotz des anfänglichen Hypes gleich drei Robo-Advisor in der Schweiz die Segel – nach eigenen Angaben aufgrund mangelnder Nachfrage und gesetzlicher Bestimmungen. Darunter ELVIA E-Invest der Allianz Suisse, der deutsche Anbieter Scalable Capital und der „Investomat“ der Glarner Kantonalbank.

Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff Robo-Advisor? Und welche Vor- und Nachteile sind zu nennen? Ein Aufklärungsversuch.

Was sind Robo-Advisors?

Robo Advisor sind eine Form der modernen, digitalen, Geldanlage. Sie sind vergleichbar mit dem netten Vermögens- und Finanzberater (Advisor) Ihrer Bank oder Investmentgesellschaft. Im Gegensatz zum Menschen greift die Technik aber emotionslos und automatisiert, u.a. auf aktuelle Marktdaten, Marktkapitalisierung und Erfahrungen aus der Vergangenheit zurück.

Die Daten werden mit den Zielvorgaben der KundInnen abgeglichen. Diese werden zum Beispiel anhand von Risikobereitschaft, Investitionsverhalten und Anlagehorizont abgefragt. Algorithmen-basiert errechnet der Computer Ihnen passende Anlageformen und -Strategien.

Darüber hinaus dient der Name „Roboadvisor“ eher als Überbegriff. Dabei werden unterschiedlichste Finanzunternehmen und Vermögensverwalter in einen Topf geworfen, die automatisierte Formen der Wertpapiervermittlung oder Anlageberatung anbieten. Die Spanne reicht vom „reinen“ Roboadvisor bis hin zum Vermögensberater eines Unternehmens, der die Dienste des Computers nur als ein Kriterium für die Entscheidungsfindung nutzt. Auch Hybridformen zwischen klassischer und digitaler Vermögensverwaltung sind keine Seltenheit.

Im Wesentlichen lassen sich Robo Advisor in zwei Gruppen einteilen: In Vermögensverwalter und Wertpapiervermittler. Vermögensverwalter treffen eigene Anlageentscheidungen für den Kunden. Marktumfeld und Risiko werden laufend neu bewertet und die Anlage dementsprechend angepasst. Dagegen helfen Wertpapierentwickler bei der Zusammenstellung des Portfolios. Nehmen aber nach dem Kauf keine eigenständigen Änderungen vor.

Vor- und Nachteile der automatisierten Geldanlage durch Robo Advisor

Mensch gegen Maschine? Wie überall im Leben haben auch Robo Advisor ihre Vor- und Nachteile. Wer um Stärken und Schwächen weiß, kann sich ganz bewusst für oder gegen ein Investment bei den digitalen Anbietern entscheiden.

Vorteile der Robo-Advisor

  1. Transparenz
  2. Der Großteil der Robo Advisor arbeitet sehr transparent. Ausführlich wird im Vorfeld über Kosten, Funktionsweise und Anlagestrategie informiert. Durch regelmäßige Reports, auch über mobile Applikationen, können Sie sich täglich über den Stand Ihrer Anlage informieren.

  3. Geringe Mindesteinlagen & Sicherheit
  4. Im Gegensatz zur klassischen Vermögensverwaltung werden von Robo Advisorn auch geringe Summen ab ca. 2.000 CHF betreut. Wie hoch diese Mindesteinlage sein muss, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Auch geringe Einlagen werden in verschiedene Anlageklassen investiert, um mehr Sicherheit gegen Schwankungen und Marktentwicklungen anbieten zu können.

  5. Robo Advisor sind günstiger als klassische Vermögensverwalter
  6. Das gilt oftmals, aber nicht immer. Ein Großteil der Roboadvisor verlangt für den Service eine jährliche All-Inklusive-Gebühr zwischen 0,4 % und 1,5 % der gemanagten Summe. Klassische Anleger kosten mitunter ein Vielfaches. Hier heißt es Preise vergleichen.

  7. Automatisierte Anlageentscheidung
  8. Computer treffen ihre Entscheidungen emotionslos und anhand programmierter Vorgaben. Wir Menschen dagegen agieren oftmals irrational oder fallen auf den ein oder anderen Denkfehler herein. Entscheidungen werden z.B. aus Angst oder aufgrund einer Stresssituation über den Haufen geworfen. Robo-Advisor helfen Ihnen dabei ein klares Anlagekonzept zu erstellen und dieses dann ausgehend vom festgelegten Risikoprofil umzusetzen.

Nachteile der Robo-Advisor

  1. Abhängigkeit von Fondsanbietern
  2. Robo Advisor nutzen häufige passive Anlageportfolios aus Fonds und ETFs. Diese ermöglichen eine kostengünstige Risikostreuung. Damit findet allerdings keine aktive Anlage statt. Auf Marktentwicklungen wird kaum reagiert.

  3. Wenig persönliche Betreuung
  4. Häufig bieten die digitalen Unternehmen keine persönliche Beratung an, zumindest nicht im Vergleich zur klassischen Vermögensanlage. Der Großteil der Beratung wird online über einen Fragenkatalog, FAQs und über Informationstexte geleistet. Für spezielle Fragen steht meistens eine Telefonhotline zur Verfügung.

  5. Noch wenige Erfahrungswerte
  6. Bisher musste ein Robo Advisor noch nie wirklich einen Härtetest bestehen. Denn die letzte Finanzkrise von 2019 fand noch vor der Etablierung des automatisierten Investments statt. Fakt ist, genau wie bei jeder klassischen Anlage heißt es Ruhe bewahren und die Talfahrt aushalten. Wie gut Robo Advisor in der Krise arbeiten wird sich jedoch erst zeigen müssen.

Für wen sind Robo-Advisor geeignet?

Geldanlage ist ein Marathon und kein Sprint. Derselbe Grundsatz gilt auch für die Vermögensverwaltung via Robo Advisor. Daneben spielen die Faktoren Zeit und Professionalität eine Rolle. Scheuen Sie sich vor Entscheidungen und setzen deshalb auf professionelle Unterstützung, dann lohnt es sich über die automatisierte Geldanlage nachzudenken.

Mit dem Roboadvisor reduzieren Sie außerdem den hohen Verwaltungsaufwand einer selbstgemanagten Anlage. Vor allem unerfahrenen Anlegern bieten sich in diesem Marktsegment gute Alternativen zum Giro- und Festgeldkonto, die in der Niedrigzins-Phase keine nennenswerte Rendite mehr abwerfen.

Welche Schweizer Robo Advisor gibt es?

Auf dem Schweizer Markt operieren Stand 2020 zehn Robo Advisors. Darunter Start-ups und alte Hasen aus dem Bankensektor. Zu den größten zählen aktuell Swissquote, TrueWealth und das Angebot der Saxo Bank.

Daneben haben sich auch Descartes Finance, Selma Finance, SimpleWelth, Yova und clevercircles platziert. Wie eingangs erwähnt, gaben allerdings erst 2019 drei Robo Advisor ihr Geschäft in der Schweiz auf.

Das Grundproblem, die automatisierte Vermögensverwaltung und Anlageberatung konnte sich hierzulande noch nicht durchsetzen. Exemplarisch zeigt sich dass an den Zielvorgaben des Robo Advisors „TrueWealth“. Dieser gab vor etwas mehr als 5 Jahren an, zukünftig 2 Milliarden Franken verwalten zu wollen. Derzeit beläuft sich die Summe aber erst auf ca. 200 Mio Franken.

Woran liegt das? Das Angebot der automatisierten Geldanlage richtet sich auch in der Schweiz hauptsächlich an Kleinanleger. Dennoch startet die Geldanlage mit einem recht hohen Schwellenwert von 5.000 Schweizer Franken oder gar 10.000 Franken und mehr.

Hinzu kommen, im Vergleich zur europäischen oder amerikanischen Konkurrenz, relativ hohe jährliche Kosten von mehr als 1 % des Depotvolumens. Erst mit einem größeren verwalteten Volumen werden diese Kosten auf Dauer sinken.

Währenddessen verlassen sich Privatkunden mit größerem Vermögen noch auf die klassische Geldanlage. Wobei auch hier ein Umschwung zu beobachten mit. Hybridformen, also eine Form der persönlichen Beratung kombiniert mit den Vorteilen der automatisierten Vermögensberatung nehmen weiter an Bedeutung zu.

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